Dunkel wurde es um ihm herum, als er für ein paar Sekunden die Augen schloss.
Er sitzte schon seit zwei Stunden an diesen Morgen und er konnte nichts gutes an ihm finden.
Im Leben war er soweit, die Geburt fern, dem Tod nah.
Er fragte sich nicht mehr was ihm sentimental gemacht hatte.
Man lehrte ihm sein Leben lang nur das Unverletzliche zu zeigen.
Aber jetzt zweifelte er daran, denn Tränen die in seinen Augen standen, ließen die Wahrheit nicht verdrängen. Der Alltag zerrte an seinen Nerven und er glaubte an jenen Morgen eine Befreiung durch Alkohol zu finden.
Sein Selbstbewusstsein viel in den letzten zwei Wochen, wie ein Thermometer.
Vor 14 Tagen verließ ihm seine Freundin, wegen einen Typen mit mehr Muskeln, ganz gewiss aber mit weniger Masse im Gehirn.
Marcus holte noch einmal den Abschiedsbrief heraus und las in Gedanken laut vor:
„Lieber Marcus,
heute will ich über Dich und nur heute, dann nie wieder, etwas über Dich schreiben.
Ich war verliebt in Dich, glücklich so sagte ich Dir damals und ich glaubte doch gerne daran.
Was war aber dann, wenn mir etwas fehlte, war es die Angst? Marcus, sei doch ehrlich, Deine Liebe zu mir, war so und nicht anders. Du verdrängst das Echte durch das Falsche.
Deine Liebe zu mir, ja nur so konntest Du betonen und verstecken, Gefühle in mir wecken und vertuschen, lächeln und lügen. Du tatest immer das, was hätte einmal gesagt werden musste. Ich war verliebt, ich gebe es gerade noch zu. Dazu gehörte nicht zuletzt der Zauber vieler Unvollkommenheiten - es gab so viele Mittel, es gab noch mehr Möglichkeiten
das, dass eine wie das andere wahr werden ließen und das, dass eine auch das andere sei bei Dir, ganz gleich, womit sich unsere Sinne beschäftigten, dass wusste ich bis zuletzt nicht.
Zum Glück aber heute und das glaube ich nicht nur und deshalb ist es aus zwischen uns.
Erspare mir deshalb Deine Fragen, die Antworten würdest Du nicht wahrhaben wollen, aber begreifen, heißt nun mal akzeptieren.“
Deine Ivonne
Marcus packte beim letzten Satz eine Art Wut, er zerriss den Brief und öffnete anschließend ein Bier. Er dachte an Selbstmord, mehr wie ein Pass mit Computer gespeicherten
Daten würde sowieso nicht übrig bleiben.
Im gleichen Augenblick zerschlug er aber auch den Gedanken. Wegen ein Mädchen würde er sich nie das Leben nehmen, dass beteuerte er schon vor drei Jahren, als er zum ersten Mal einen Korb bekam.
Nein, das Leben würde weitergehen und hübsche Frauen gab es genug, nur zu dumm, dass er gerade in diesen Tagen sehr viel an Ivonne dachte.
Um sich nicht mit Drogen zu zerstören, beschloss Marcus, spontan wie er immer war, Ivonne einen Besuch abzustatten.
Es gab ein Sprichwort das ihm Hoffnung versprach: Wer wagt, gewinnt.
Es war April und das Wetter dementsprechend mal schön, mal nicht so gut.
Als Marcus aufbrach regnete es.
Die Strasse in der Ivonne wohnte, sah an diesen Tag nass und grau aus.
Zu Marcus erstaunen, schlug das Schicksal brutal zu.
Gerade als er die Haustür öffnen wollte, rief Ivonne von weiten. Überrascht drehte er sich um.
Ein erdrückendes Gefühl machte sich bei ihm breit, als er Ivonne und Peter der mindestens zwei Köpfe größer war wie sie, sah.
Hand in Hand näherten sie sich. Peter war der neue Freund von Ivonne.
Marcus versuchte sich schnell auf die neue Situation einzustellen.
Er brachte trotzdem nur schwer ein gequältes „hallo“ heraus.
Peter, der in jedem Falle die besseren Karten in der Hand hielt, schlüpfte in die Rolle des Beschützers. Er griff sich Marcus und drohte ihm wenn er einmal wiederkäme, dann setze es was. Rasch riss sich Marcus vom festen Handgriff seines Gegenüber los. Beide die sehr aggressiv wurden, fingen an sich zu prügeln, wobei Marcus Chancen gleich null waren.
Immer und immer wieder traf die Faust von Peter Marcus mitten ins Gesicht, bis er schließlich mit dem Kopf auf die nassen Pflastersteine viel. In Peters Gesicht konnte man einen triumphierenden Blick erkenne.
Nur Ivonne sah auf einmal was geschehen war, sofort liefen ihr Tränen über die Wangen.
Sie schrie Marcus an, er solle doch die Augen aufmachen. Aber er bewegte sich nicht mehr, sondern lag einfach nur da.
Das Blut aus seinen Kopf floss vermischt mit Regenwasser in den Gully.
Er war tot und Ivonne brach heulend zusammen.
Ihr Freund Peter hatte sich längst aus dem Staub gemacht, dennoch konnte die Polizei ihm eine naheliegende Kneipe festnehmen.
Die vergangene Liebe mit Marcus quälte Ivonne noch viele Jahre später.
Ihr Leben war kaputt gewesen, durch einen Mörder als Freund.