Die Party

Heute Nacht findet eine Party statt,
ich weiß nicht wo und wann, aber ich weiß es ist besser ich gehe nicht hin.
Mir wurde gesagt das sie da ausgeflippte Musik spielen und hinter meinen Rücken erzählt man sich, dort wo die Party ist besteht Verkleidungspflicht.

Doch ich denke mir die Leute die da hingehen sind vielleicht ganz nett und ich erkundige mich also wo und wann hier was steigt wovon ich nichts weiß.
Aha, Strichstrasse 7, Ecke Hohenwolkendamm, Einlaß ab 23 Uhr.
Vorher noch ein paar Bier und ich kriege langsam Lust etwas zu tun, was ich im Normalfall nicht tun würde.

Inzwischen stehe ich in einer Menschenmenge, um mich herum einige alte Gesichter.
Ein Abklatsch von der Realität in den Gesprächen bringt die Stimmung in Gang und ich ahne schon was passiert.
Die Musik spielt noch den selben Takt. 

Dann, schlagartig erlöscht das Licht. Eine Hintertür öffnet sich und eine sie betritt den Raum.
Ihr Erscheinen verschlägt mir die Sprache und ihre Stimme wiegt mich in meinen Träume.
Verborgenes wird entdeckt und was sie in mir bewegt verliert sich schnell in der Menge.

Der Raum wird nunmehr nach Eintritt der Gastgeberin erneut beleuchtet. Die Nacht nimmt ihren Lauf und innerlich bin ich froh darüber, daß niemand die Absichten vom anderen erkennt. Schatten tanzen an den Wänden, die Atmosphäre tut ihr übriges dazu.
Emanzen, Mitläufer, dicke und dünne Menschen liefern hier die perfekte Schau. Minuten werden zu Stunden und manch einer lacht über mich, weil er sich selbst nicht versteht.
Zigarrettenqualm steht in der Luft und ein Feteschist weint heimlich in einer Ecke.
Viele versuchen talentlos nachzuahmen, was anderswo zählt.
Keiner merkt genau wo die Freiheit beginnt und das Glück endet.

Ich blicke eine ganze Weile in die Runde und warte gespannt darauf was sich sonst noch tut.
Endlich kommt der große Augenblick. Die Gastgeberin geht zielstrebig auf mich zu.
Ich hasse das Frage- und Antwortspiel und komme deshalb gleich zur Sache.
Was für eine schöne Dezembernacht. Nach allen Regeln der Kunst  habe ich es geschafft.
Keine Fragen, keine Lügen.
Sie ist sonst so arrogant, der Kopf immer oben.
Nur in dieser Nacht hat sie Zweifel.
Verdorben durch versäumtes, suchend in in der Dunkelheit nach ihrer Kindheit.
Wie gut das hier auf dieser Party alle verkleidet sind.
Irgendwer hat uns belauscht, violettes Haar, hier verabschiedete ich mich
von meiner Gastgeberin mit anderen Worten:
„Danke für die Einladung!“

Party II
Ich drehte mich um und verließ die Wohnung.
Um die Bushaltestelle zu erreichen, mußte ich durch verschiedene Straßen, die in der Nacht wie ausgestorben wirkten.
Ich hörte plötzlich Schritte.
Verunsichert blieb ich stehen. Sekunden später tauchte eine Gestalt im Licht der Laterne auf und ich erkannte wer sie war.
Sina war es, die mir nachgelaufen ist und als ich ihr meine soeben getroffene Feststellung mitteilte, desto später die Nacht, desto dümmer die  Frauen, explodierte sie förmlich.
Daraufhin stritten wir uns heftig und um so größer war meine Freude als ich im Hintergrund meine Gastgeberin auftauchte.
Jetzt hatte ich also die Wahl : Entweder Sina oder zurück  woher ich kam.
Ich  entschied mich nach kurzer Überlegung für die Party und ging mit meiner Gastgeberin zurück. Meine Stimmung rutschte dadurch etwas ins jenseits. 
Nachdenklich traurig tat mir die Sache mit Sina im Herzen weh. 
Aber man ist ja tapfer und als Typ hält man immer die Fäuste als Deckung nach oben.

Nun betrat ich die Party zum zweiten mal.
Die Leute waren immer immer noch dieselben wie zuvor - viel Dreck auf ein silbernes
Tablett serviert.
Die Musik zu laut - Kopfschmerzen bereitend in jedem Fall.
Manchmal empfand ich das Bild der tanzenden, jubelnden Menschenmasse als recht skandalös.
Dann folgte das Beste. Meine Gastgeberin machte Annäherungsversuche.
Bei mir, der ich ungezählte Stunden auf diese Chance gewartet hatte.
Ich glaube ich begriffs einfach nicht, die Nacht war mir fremd.
Um nicht ganz aus der Rolle zu fallen, sagte ich folgendes:
„Ich habe mich in all den Jahren verändert. Früher war ich eine Schnecke, brauchte von heute auf morgen 12 Stunden. Heute bin ich ein Panther und benötige nur noch die halbe Zeit.
Der Nachteil an dieser Verbesserung ist nur der, dass früher...“
ich brach den Satz ab.

Party III
Silvia sah mich erstaunt an.
Im gleichen Augenblick musste sie lachen.
Es ist eigenartig ...Man kennt sich Jahre lang und doch glaubt man in bestimmten
Situationen eine bekannte Person gerade neu kennengelernt zu haben.
Hoffnungen werden zum ewigen Wunschvorstellungen und das Herz droht dabei zu zerbrechen.
Ein Fisch kann schwimmen und eine Waage sagt mir was gleich ist und was nicht.
Nur ich, ich kann keines von beiden und wiedereinmal wird mir bewußt wie verschieden die Menschen doch sind.
Und wer war irgendwer? Er war ein Bock aus Stein, hatte kein Herz für die Freundschaft, sondern nur für sie, meine Angebetete.
Doch im Grunde genommen ist es so besser für alle.
Sie geht, er geht mit ihr und ich gehe meinen Weg.